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Projekt Kleidersammlung

Prolog:

Viele wissen nicht, dass wir nicht nur mit und für Flüchtlinge arbeiten. Jeder kann bei uns nach Kleidung schauen. Das ist kostenfrei. Sprechen Sie uns einfach an. Dazu muss man auch nicht bei uns mitmachen!

 

Von den Anfängen bis Heute:

Als feststand, dass der Möhnesee eine Zentrale Unterbringungs-einrichtung für Flüchtlinge (ZUE) bekommt, haben wir sofort unsere Hilfe beim Herrichten der Einrichtung angeboten.

Schnell war aber auch klar, dass im Winter 2015 warme Kleidung fehlen wird. Darum wollten wir uns kümmern.

Angefangen zu sammeln haben wir im September mit einemgeliehenen Container, lange noch bevor die ersten Bewohner in die ZUE kamen.

Von Anfang an war die Stimmung sehr gut. Die Menschen kommen gut gelaunt zu uns und sind glücklich, ihre Sachen spenden zu können. Und wir freuen uns über jedes Teil und genießen die Atmosphäre.  

Der erste Sammeltag lief noch sehr geordnet ab. Wir hatten viele Helfer und die Spenden waren überschaubar. Also haben wir uns getraut, etwas mehr Werbung zu machen. Es wurden Werbeplanen und Schilder angebracht.

Auch die Presse und das Radio wurden informiert. Auf unserer Webseite, bei Facebook und bei Twitter gab es Aufrufe. Gleichzeitig haben wir uns intern organisiert und auf Termine geeinigt. Wir sammeln jeden Samstag zwei Stunden: von 10.00 - 12.00 Uhr. 

 Das Resultat der Werbung: Der Container war ruckzuck voll. Mit so viel Resonanz hatten wir nicht gerechnet und waren, ehrlich gesagt, etwas überfordert.

 Was dann aber passierte, war unbeschreiblich. Spender wurden spontan zu Helfern und fassten mit an. Es wurden LKW organisiert und Anhänger besorgt. Dr. Alfert von Firma Altex stellte eine Halle zur Verfügung damit wir die Spenden einlagern konnten. 

Und so wurde aus dem Chaos ein Riesenerfolg - dank der tollen Menschen am Möhnesee. Für uns ist das Verpflichtung genug, das Projekt fortzuführen. Und wir machen das gern!

Im Anschluss an die Sammelaktionen hatten wir ab Ende 2015 schon die Möglichkeit, in einer Halle zu sortieren. Somit diente der Container nur noch als Zwischenlager. Schnell haben wir festgestellt, dass auch viel Kinderspielzeug und andere nützliche Dinge unter dem Spendengut zu finden sind. Dazu mussten wir und Gedanken machen.  

In einem ausrangierten Zirkuswagen wurde zwischengelagert. So blieb alles schön trocken. Dr. Alfert hat ihn nicht nur bereitgestellt, er kümmerte sich auch darum, dass er jeden Samstag pünktlich vor der Zentralen Unterbringungseinrichtung an der Bushaltestelle bereit stand.  

Das überarbeitete Sammel-Konzept lief ab Oktober 2015 und wurde von Helfern und Spendern gleichermaßen sehr gut angenommen.

Schlechtes Wetter macht es nicht immer einfach. Spaß haben wir trotzdem.

Unsere Halle platzte schon nach 2 Monaten aus allen Nähten.  

Im November 2015 war das. Durch gespendete Gitterboxen der Firma Eaton CEAG und ausrangierte Kleiderständer aus Soester Geschäften haben wir das Chaos zwischenzeitlich halbwegs in den Griff bekommen.

Das Sammeln lohnt sich immer. Selbst bei Kälte und Regen. Diese Erfahrung spornt uns an. Unsere treuen Spender kommen ja auch bei jedem Wetter. 

Deshalb sind wir immer wieder gern vor Ort. In Dezember 2015 wurde es draußen, aber auch in der Sammelhalle, so richtig kalt. Trotzdem, alles was gesammelt wird, muss auch sortiert werden. Und wenn das nicht zeitnah passiert, versinken wir im Chaos.

 Was uns fehlte, war mehr Platz und so Mancher Helfer träumte von einem kleines Heizöfchen. Immer haben wir ein tolles Team bei der Sammlung. Es wechselt mit wenigen Ausnahmen ständig. Und immer haben wir richtig Freude. 

Im Dezember 2015 war es endlich soweit. Inzwischen waren die ersten Bewohner in die Unterbringungseinrichtung gekommen. Somit ging es auch mit der Verteilung an die Bewohner los.

Wir hatten so lange darauf gewartet. Nun konnten wir anfangen, sortierte Spenden an die Malteser zu übergeben. Endlich wieder etwas Platz im Lager. 

Die Malteser holten mit ihren eigenen Fahrzeugen ab. Sauber beschriftet wurde seitdem so manches Paket auf den Weg gebracht. Die Verteilung der Spenden an die Bewohner erfolgte zu diesem Zeitpunkt noch durch die Malteser.

Im Winter 2016/2017 haben wir uns eine kleine Pause gegönnt. Nur 2 Wochen! Das hat trotz Ankündigung für viel Verwirrung bei gesorgt. Viele Unterstützer haben das als Ende der Aktion interpretiert. Dabei wollten wir uns nur etwas Zeit nehmen um uns besser zu organisieren. 

Wir haben daraus gelernt, und seit Anfang 2016 keinen einzigen Samstag ausfallen lassen.

Auch in Zukunft wollen auf Pausen verzichtet werden, und wirklich jeden Samstag von 10.00-12.00 Uhr an der Bushaltestelle in Echtrop gesammelt werden. Inzwischen ist das auch regelmäßig im Soester Anzeiger zu lesen.  

Ob das immer so bleibt, können wir nicht versprechen. Bis jetzt ist es uns aber gelungen und wir haben uns gerade in letzter Zeit über neue Helfer freuen dürfen. Dennoch, wer 2 Stunden Zeit am Samstag hat, ist herzlich eingeladen uns zu unterstützen.  

Ende Januar 2016 haben wir das Sammelkonzept nochmal erweitert. Wir haben begonnen, donnerstags Kleider bei den Spendern abzuholen, samstags stehen wir weiter in Echtrop vor der ZUE.

Nun wird aber nicht mehr im Zirkuswagen gesammelt, sondern in Rollcontainern, die wir von den Maltesern bekommen haben. Logistisch ist das viel einfacher. Sobald ein Container voll ist, kann er in unsere Räume gebracht und aussortiert werden.

 

Im Februar 2016 gab es schon schöne Tage. Im März war der Winter dann überstanden. Sehr gefreut haben wir uns in diesen Tagen über immer mehr Spielzeug, das den Weg zu uns gefunden hat. 

Auch die Kindergärten der Gemeinde haben dabei geholfen. Es wurde viel für uns gesammelt. 

 In der Zentralen Unterbringungseinrichtung hat sich schnell herumgesprochen, dass jeden Samstag vor den Toren etwas los ist. Auch wenn wir hier keine Kleider an Flüchtlinge ausgeben, für ein interessantes Gespräch ist immer Zeit. Und wie das Verteilsystem funktioniert, können wir auch gleich erklären. 

Ab März 2016 ging es mit unserem Möbelprojekt los. Viele Leute hatten uns angesprochen und Möbel angeboten. Gerade für die Flüchtlinge, die eine eigene Wohnung bekommen ist das eine tolle Sache. Aber auch für Studenten oder andere junge Leute die zum ersten Mal in die eigenen 4 Wände ziehen.

Viel müssen wir abholen, aber es wird auch immer mehr gebracht. Dafür sind wir besonders dankbar. 

Im Jahr 2016 mussten uns viele Freunde verlassen. Sie haben die freiwillige Ausreise der Abschiebung vorgezogen. Wir werden weiter dafür kämpfen, sie legal zurückzuholen. Eine Familie ist zurück, hat Arbeit, Wohnung und zahlt Steuern. Wir haben noch zwei Familien und einen ganz tollen jungen Mann, um die es sich wirklich zu kämpfen lohnt. Auch hier können wir Hilfe gebrauchen. Arbeitgeber, die diesen tollen Menschen ein Change geben wollen, können sich gern bei uns melden. Mit einer Job-Angebot bekommen wir unsere Freunde zurück. 

Unsere Warnwesten tragen wir nicht nur zum eigenen Schutz, sondern auch als Vorbild für die Bewohner der ZUE. Leider machen sie nur selten Gebrauch von den angebotenen Westen.

Nachdem es im Winter 2015, im Vergleich zum Vorjahr, etwas ruhiger beim Spendenaufkommen geworden ist, steigt ab April 2016 die Zahl der Spenden wieder deutlich an.

Bis zu 5 Rollcontainer sammeln wir an einem Wochenende. Im Schnitt sind es 5m³/Woche. Dazu kommen die abgeholten Möbel-, Sach- und Kleiderspenden. Da wird es manchmal richtig eng in der „Home-Base“.

So nennen wir unser neues Lager, das uns Dr. Alfert, Firma Atex zur Verfügung stellt. Das sind tolle Räume, lichtdurchflutet und mit der Möglichkeit zu heizen. Auch Toiletten und eine Küche haben wir. Paradiesische Verhältnisse. Ohne die großzügige Unterstützung der Familie Alfert gäbe es den Runden Tisch Möhnesee so nicht. Immer und immer wieder helfen Sie uns weiter, mit Rat, Tat, Sach- und Geldspenden. Noch sieht es nicht sehr gemütlich aus, aber das kommt. 

 

Regen stört uns schon lange nicht mehr. Wir gehen einfach in die Wartehalle der Bushaltestelle. Vor allem aber, weil wir es uns nach dem Sammeln in der Home-Base gemütlich machen können.

Trotz der Werbung wissen viele am Möhnesee gar nicht, was wir an der ZUE machen. Daher haben wir es mit besserer Werbung versucht.

Wir haben nun aufklappbare Tische, die mit Werbe-Planen bespannt werden. Übersehen kann man uns so nicht mehr. 

Im September 2016, nach einem Jahr Kleidersammlung, sahen wir uns gut genug aufgestellt, auch die Ausgabe der Kleidung an die Flüchtlinge selbst zu übernehmen. Beim Tag der offenen Tür im Oktober haben wir geübt. Erst einmal in einem Zelt. Da war sozusagen die Generalprobe. Erstaunlicherweise haben wir von all den Schwierigkeiten, die es dabei geben soll nichts gemerkt. Wir waren uns also sicher -wir bekommen das hin.

Aber erst einmal müssen wir durch den Winter kommen. Uns mangelt es an der richtigen Ausrüstung. Aber dafür gibt es Fördergelder, das können und werden wir ändern.

In der Unterbringungseinrichtung gab es noch ein paar nicht genutzte Räume. Zu Bundeswehrzeiten war das einmal die Küche. Hier durften wir uns breit machen. Jetzt hieß es, Räume reinigen, ausbauen und ausstatten. 

Natürlich müssen alle Details mit dem Eigentümer, den Maltesern und der Bezirksregierung abgestimmt sein.

Für 2017 hatten wir uns also viel vorgenommen. Eine eigene Kleiderkammer.

Die Pläne haben wir im Januar ausgearbeitet. Das Herrichten der Räume dauerte länger als gedacht. Wir haben begonnen, Kleiderstangen, Shop-Einrichtungen und Ladenzubehör zu sammeln. Viel kam als Spenden nicht zusammen.

Wir haben fleißig Förderanträge gestellt damals auch noch auf Bewilligung gehofft. Bekommen haben wir für dieses Projekt nichts. Aber wir dürfen uns nicht beschweren, wurden doch andere Projekte gefördert. Für den Ausbau unserer Home-Base z.B. gab es schon Zuschüsse. Leider dürfen wir das Geld nicht verwenden, wie wir wollen, dann wäre manches einfacher.

Im April 2017 sind die neuen Räume also noch leer. Aber alles ist schon blitzblank geputzt. Endlich kam dann der erste Bewilligungsbescheid, und die große Ernüchterung. Die Mittel waren zweckgebunden.

So konnte es nicht weitergehen. Wir mussten halt alles selbst bezahlen. Das tat richtig weh, war aber die einzige Möglichkeit unser ehrgeiziges Projekt voran zu bringen. So sind wir von Shop-Auflösung zu Shop-Auflösung gefahren und haben hart verhandelt. Manchmal gab es auch ein paar Teile gratis obendrauf.

 

Zwischenzeitlich haben wir auch Platzprobleme bekommen. Die Spenden in der Home-Base quollen über. Daher haben wir unsere neuen Räume auch als Zwischenlager nutzen müssen. Das hat den Ausbau nicht gerade leichter gemacht.

Es musste eine andere Lösung her. Wir brauchten dringend Lagercontainer. Aber dazu später. Die ersten Räume wurden gefüllt. Im Juli sind wir fast fertig und arbeiten unter Hochdruck am Bestücken der neuen Kleiderkammer.

Raum für Raum füllt sich. Im August 2017 ist alles fertig und wir können mit der Ausgabebeginnen. Am ersten Tag waren fast 200 Flüchtlinge da. So richtig an unsere grenzen gekommen sind wir dabei nicht. Wir werden immer mit Freude empfangen und mit viel Respekt behandelt. Natürlich gibt es Diskussionen, wer zuerst an der Reihe ist, letztendlich aber bleibt alles friedlich.

Anfang 2017 kommen zwischen 80 und 100 „Kunden“ pro Öffnungstag. Dabei ist Donnerstag Männertag. Samstags öffnen wir für Frauen. Kinder sind immer willkommen.

So klappt es am besten. Kindersachen waren anfangs furchtbar knapp, jetzt kommen wir gut zurecht. Frauensachen werden auch reichlich gespendet. Nur bei den Männern sieht es schlecht aus. Wir freuen uns über jedes einzelne gespendete Stück. Fehlende Schuhe und Jacken bereiten uns am meisten Sorgen. Da haben wir Wartelisten. Ein wirklich trauriger Zustand.  

Der Bedarf an Kleidung ist bei unseren Bewohnern enorm. Vieles was reinkommt, ist auch sehr schnell wieder verteilt. Saisonuntypische Ware müssen wir natürlich zwischenlagern. Für Sommer- Und Winterware haben wir nicht genügend Platz. 

Mittlerweile haben wir mehrere Räume zum Zwischenlagern. Es tut sich etwas. Manchmal langsam, aber ständig.  

Wir haben uns entschlossen nur noch 50 Personen pro Tag zu bedienen. So ist für jeden Einzelnen genug Zeit. Gerade, wenn Neue kommen ist das wichtig. Die Bewohner der ZUE holen sich am Donnerstagmorgen einen Termin bei uns und werden dann im Laufe des Tages oder am Samstag betreut. Dafür gibt es die "Nummern". Jeder Nummer ist ein Termin zugeordnet. So klappt es wirklich völlig problemfrei und nicht wie beim Sommerschlussverkauf.

Besonders stolz sind wir auf unsere Mitstreiter aus dem Körbecker Jugendclub. Wieviel Zeit da für uns eingesetzt wird ist unbeschreiblich. Sie helfen nicht nur beim Sammeln und verteilen, sondern auch bei vielen anderen Aktionen. Das verdient Respekt. Dabei senkt nicht nur unseren Altersdurchschnitt, wir lernen auch sehr viel voneinander. Wohlgemerkt in beiden Richtungen! 

Gerade das Sammeln und Ausgeben von Kleidung ist etwas, das richtig Spaß macht. Wir haben auf der einen Seite die Spender, die sich freuen Ihre ehemaligen Lieblingsstücke in guten Händen zu wissen. Auf der anderen Seite die Bewohner, die überglücklich sind, ihr bisschen Taschengeld nicht für Kleidung ausgeben zu müssen. Und wir mittendrinn, unter soviel tollen Menschen.

Nach der Kleiderausgabe essen wir alle zusammen mit den Flüchtlingen. Dann kommen auch die Teams von der Kleidersammlung und der Sortierung dazu. Und manchmal haben wir danach Wochenende! 

Diese Geschichte wird weitergeschrieben, wie so viele unserer Projekte. Also bleiben Sie daran, oder besser noch, machen Sie mit….